Gonarthrose

Was ist eine Gonarthrose?

Die Gonarthrose ist ein Kniegelenksverschleiß mit einer deutlichen Abnützung des Gelenksknorpels.

Welche Menschen sind von einer Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) betroffen?

Die Gonarthrose ist die am häufigsten auftretende Arthrose und tritt relativ früh auf. Bei 50 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 30 und 50 Jahren zeigen sich bereits Arthrosezeichen im Kniegelenk. Je nach Achsstellung des Kniegelenkes können dessen innerer oder äußerer Teil betroffen sein.
Bei vielen Patienten ist auch das sogenannte femoropatellare Gelenk - also das Gelenk zwischen der Kniescheibe der Vorderseite des Oberschenkelteiles - betroffen.

Wenn alle drei Gelenksteile – sowohl innerer, äußerer als auch femoropatellarer Gelenksteil – betroffen sind, spricht man von einer Pangonarthrose.
Generell unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Gonarthrose. Unter einer primären Gonarthrose versteht man eine Abnützung ohne näher erklärbare Ursachen - meist familiär bedingt.
Ursache für sekundäre Gonarthrosen ist eine gravierende Achsfehlstellung, die entweder seit der Kindheit vorliegt oder nach Meniskusverletzungen bzw. -schäden auftritt. Weiters können Arthrosen posttraumatisch nach schweren Knochenbrüchen oder Kapselbandverletzungen im Bereich des Kniegelenkes entstehen. Seltenere Ursachen für sekundäre Gonarthrosen sind Entzündungen, Entwicklungs-, Stoffwechsel- und Wachstumsstörungen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Symptome - wie äußert sich eine Arthrose des Kniegelenks?

Die Patienten klagen meist über einen uncharakteristischen Gelenkschmerz, ein Gefühl der Steifigkeit und charakteristischerweise einen Anlauf- und Belastungsschmerz. Meistens treten die Schmerzen vor allem nach dem Aufstehen bei den ersten vier bis fünf Schritten (= Anlauf) auf und gehen nach längerem Gehen wieder zurück. Nicht selten bemerken die Patienten auch eine Zunahme der Beschwerden bei Wetterumschwüngen. In seltenen Fällen treten auch Schwellneigungen mit Ergussbildungen im Kniegelenk auf.

Wie kann eine Gonarthrose diagnostiziert werden?

a.) Untersuchung

Zunächst führen wir eine klinische Untersuchung durch und achten vor allem auf Achsfehlstellungen des Kniegelenkes. Weitere Anzeichen eines arthrotischen Kniegelenkes sind Druckschmerzhaftigkeit am arthrotisch veränderten Gelenkspalt, Schwellungen bzw. Überwärmungen im Bereich des Gelenkes und auch teilweise knirschende Geräusche beim Durchbewegen des Gelenkes.
Massive Bandlockerungen aufgrund der Arthrose können auch Instabilitäten mit einem unsicheren Gangbild hervorrufen. In fortgeschrittenen Fällen kann es auch zu einer deutlichen Streck- und Beugehemmung des Kniegelenkes kommen.

b.) Röntgen

Die Röntgenaufnahmen werden in zwei Ebenen durchgeführt. Bei noch unklarem Knorpelzustand kann im Anschluss auch eine magnetresonanz-tomographische Untersuchung erfolgen. Diese bringt zusätzliche Informationen über den Schädigungsgrad des Knorpels im Gelenk mit sich.

Was wir empfehlen:

Prinzipiell soll zunächst eine klassische Behandlung durchgeführt werden. Auch wenn es paradox erscheinen mag, ist eine ausreichende Bewegung des betroffenen Gelenkes sehr von Nutzen - sportliche Tätigkeiten wie Schwimmen oder Fahrradfahren können zu einer Linderung der Beschwerden führen.

Des Weiteren ist ein Muskelaufbau der Oberschenkelmuskulatur nötig, da ein kräftiger Muskel zu einer Entlastung des Kniegelenks führt. Weitere Therapiemaßnahmen sind eine physikalische Therapie mit lokal abschwellenden Maßnahmen; auch orale Schmerzmittel sind bei stärkeren Schmerzen hilfreich.

Bei Achsfehlstellungen empfehlen wir auch entsprechende Schuheinlagen und eine Schuhzurichtung mit Pufferabsatz und Randerhöhung – entsprechend der Fehlstellung.

Operative Therapie

Die operative Therapie der Kniegelenksarthrose ist heutzutage eine Standardtherapie und kann getrost als Routine bezeichnet werden. Im Anfangsstadium einer Arthrose sollten eine Arthroskopie bzw. eine sogenannte Gelenkstoilette durchgeführt werden. Bei dieser Therapie wird das Kniegelenk über zwei bis drei kleine Zugänge inspiziert und kann dabei von abgeschilferten Knorpelanteilen und entzündlichen Veränderungen der Gelenksinnenhaut befreit werden.

Bei gleichzeitiger starker Achsfehlstellung des Kniegelenkes kann eine korrigierende Umstellungs-Osteotomie (d h. Geradestellung) am Ober- oder Unterschenkelknochen durchgeführt werden. Jene bewirkt eine Verbesserung der Belastungsverhältnisse im Kniegelenk.

Bei stark fortgeschrittener Arthrose des Kniegelenks ist der künstliche Kniegelenksersatz die Therapie der Wahl. Bei dieser Operation wird der geschädigte Restknorpel des Kniegelenkes entfernt und ein künstliches Implantat sowohl am Oberschenkel als auch am Unterschenkelknochen und fallweise auch an der Kniescheibe implantiert. Es stehen hierfür zahlreiche Modelle zur Verfügung.

In Österreich werden ca. 18.000 künstliche Kniegelenksprothesen pro Jahr eingesetzt. Die am häufigsten implantierte Kniegelenksprothese ist die ungekoppelte, bikondyläre Prothese, bei der der Erhalt der gelenksführenden Bänder bis auf das vordere Kreuzband wichtig ist.

Bei nur teilweisem Abrieb des Knorpels kann auch eine unikondyläre Schlittenprothese, ein sogenannter Teilersatz des Kniegelenkes, verwendet werden. Bei schwerer Zerstörung des Kniegelenkes mit Suffizienz der Bandstrukturen ist oft eine achsgeführte Knie-Endoprothese, die auch Bandfunktionen übernimmt, erforderlich.

Zur Implantation einer Kniegelenksprothese stehen verschiedene Varianten zur Verfügung. Beim konventionellen Zugang wird die Quadrizepssehne, welche den vorderen Oberschenkelmuskel mit der Kniescheibe verbindet, gespalten und so das Kniegelenk eröffnet. Ich bevorzuge die minimalinvasive Variante in Form eines Midvastus- oder Subvastus-Zuganges. Bei diesen Zugängen wird die Quadirzepssehne geschont; das ermöglicht eine bessere postoperative Funktion des Streckapparates.

Weitere technische Fortschritte bei der Implantation einer Kniegelenks-Endoprothese gibt es durch die Verwendung der Infrarot-Navigation sowie die Implantation mittels individueller, passgenauer Schnittschablonen, die für den jeweiligen Patienten extra angefertigt werden.

Bei der Navigation kann mittels einer Infrarot-Ausrichtung die Positionierung der Prothesenteile an den Knochen verbessert werden. Bei den Schnittschablonen, der neuesten und modernsten Implantationstechnik, werden per Computertomographie oder Magnetresonanz-Tomographie die jeweiligen Daten des Kniegelenkes bestimmt und entsprechende Schnittschablonen hergestellt, die in steriler Form bei der Operation Verwendung finden.

Diese Schnittschablonen werden an das arthrotisch veränderte Kniegelenk angelegt und die entsprechenden Schnitte können bei geringster Traumatisierung des umgebenden Gewebes durchgeführt werden. Man kann hierbei von einer individualisierten Implatation einer Knie-Endoprothese sprechen.

Wie schaut die postoperative Rehabilitation aus?

In der Regel ist nach einer Gelenks-Endoprothese mit einer Rehabilitationszeit von vier bis acht Wochen zu rechnen. Der Patient erhält unmittelbar postoperativ abschwellende Maßnahmen sowie eine am ersten postoperativen Tag beginnende Physiotherapie.

Das Hauptaugenmerk liegt auf einer schnellen Erlangung der Beuge- und Streckfähigkeit und dem Aufbau der Oberschenkelmuskulatur. Eine Krücken-Therapie ist für die Dauer von vier bis sechs Wochen vorgesehen. Bei den modernen Implantationsmethoden, wie einer individualisierten Knieprothese, ist eine Reduktion der Krückentherapie auf drei bis vier Wochen möglich.

Bei entsprechendem Muskelstatus des Patienten und aktiver Teilnahme im Rehab-Programm von Seiten des Patienten ist eine normale Gehfähigkeit in drei bis vier Wochen zu erreichen.



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