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05.08.2015

Wann sind X-Beine abnormal?

Knicksenkfuß und Plattfuß:

Eine Therapie in der Jugend kann viel im Alter ersparen.


Beim Knicksenkfuß ist es wichtig zwischen Knicksenkfuß des Kindes und des Erwachsenen zu unterscheiden. Denn: Der Knicksenkfuß des Kindes ist eine sehr häufige, jedoch meist harmlose kindliche Fußdeformität, bei der es zu einer X-Stellung der Ferse (Knickfuß) und zu einer Abflachung des Fußlängsgewölbes (Senkfuß) kommt.

Dies erscheint besonders prominent bei sehr kleinen Kindern aufgrund eines Fettpolsters noch am Fußlängsgewölbe. Dies führt häufig zu Besuchen von besorgten Eltern beim Kinderorthopäden mit der Frage, ob dies schon pathologisch sei. Die Eltern sind diesbezüglich zu beruhigen, da dies in diesem Alter durchaus nicht abnormal ist.

Im Laufe der Entwicklung des Kindes kann aus diesem physiologischen (nicht krankhaften) Knicksenkfuß jedoch ein pathologischer (krankhafter) werden, mit der Endstufe des hochgradigen Knicksenkfußes des Jugendlichen. Häufige Ursachen für die pathologische Form sind Muskelschwäche, Übergewicht, X-Bein-Stellung des Kniegelenkes sowie eine erhöhte Bandlaxizität (zu wenig Halt der Bänder) im Fußbereich.

Beschwerdebild

Viele Kinder bzw. Jugendliche klagen anfangs nur selten über Beschwerden im Fußbereich. Allmählich kann es jedoch an der Innenseite des Fußes, aber auch an den Knien bis in den Rückenbereich, zu stärkeren Schmerzen kommen. Aufgrund einer fehlgeleiteten Statik im Fußbereich können sich die Schmerzen allmählich bis zum Knie und weiter bis zur Hüfte und Lendenwirbelsäule ausbreiten.
Bei der Untersuchung des kindlichen Knicksenkfußes sollte dies sowohl im Gehen, Stehen und Liegen erfolgen. Es wird hierbei der Zehenspitzenstand untersucht: Bei einem fixierten Knicksenkfuß fehlt hierbei die Korrektur des Valgus (abspreizende X-Stellung des Fusses), und das abgeflachte Längsgewölbe bleibt auch beim Zehenspitzenstand bestehen. Weiters sollten auch die Beweglichkeit der einzelnen Fußgelenke untersucht werden. Sind massive Knicksenkfußveränderungen vorhanden oder besteht der Verdacht einer Gelenksstörung im Fußbereich, ist auf jeden Fall eine radiologische Untersuchung des Fußes unter Belastung durchzuführen. Generell ist zu sagen, dass alle Kinder von einem Knicksenkfuß betroffen sein können, jedoch liegt auch meist eine familiäre Häufung vor.

Beim Erwachsenenplattfuß liegt der fixierte Endzustand eines kindlichen bzw. eines jugendlichen Plattfußes vor. Meist treten hierbei auch schon Abnützungserscheinungen (so genannte Arthrosen) im Fußwurzelbereich auf. Die betroffenen Patienten klagen meist über belastungsabhängige Schmerzen – vor allem auf der Innenseite des Fußes.

Therapie und Behandlung von X-Beinen

Wie bereits erwähnt sind eine gute Aufklärung und Beruhigung der Eltern wichtig. Prinzipiell hat ein kindlich auftretender Knicksenkfuß eine sehr gute Prognose bei entsprechend sportlicher Erziehung und Therapie. Wichtig für die betroffenen Kinder ist eine gute Fußgymnastik zur Entwicklung und Kräftigung der Fußmuskulatur. Diesbezüglich gibt es Anleitungen für Greifübungen der Zehen, vermehrter Zehenspitzenstand, Schnurspringen und auch Barfußgehen im Sommer sind von großer Bedeutung. Meist ist bereits nach kurzer Zeit eine deutliche Besserung der Fußsituation zu sehen – mit einer allmählichen Entwicklung eines guten Fußlängsgewölbes.
Bei schwereren Fällen und ist eine Einlagenverordnung nach Gipsmodell nötig. Diese Einlagen sollten einen sogenannten Supinationskeil zur Abstützung des inneren Längsgewölbes enthalten. Des Weiteren sollten die Einlagen fersenumfassend sein, um einen guten Halt zu geben. Die Einlagen sollten spätestens jedes halbe Jahr erneuert werden, da die jungen Patienten sozusagen herauswachsen und die Einlagen auch schon meist sehr abgenützt sind.
Ebenso ist beim Knicksenkfuß des Erwachsenen eine ausreichende Einlagenversorgung von Nöten. Seltener ist auch eine Schuhzurichtung und eventuell sogar ein orthopädischer Maßschuh notwendig.

Muss eventuell auch operiert werden?

Operative Therapien bei Kindern sind nur sehr selten notwendig, wobei man hierbei zwischen Weichteiloperation und knöcherner Operation unterscheidet. Bei den Weichteiloperationen ist das Ziel eine Verbesserung des fußgewölbehebenden Muskelzuges. Hier gibt es verschiedene Methoden: In der Mehrzahl der Operationen mit Versetzung diverser Sehnen. Diese Operation sollte frühestens im 9. oder 10. Lebensjahr stattfinden.
Bei knöchernen Operationen ist die OP-Methode nach Grice die häufigste. Hierbei erfolgt eine Verbesserung des Längsgewölbes durch Implantation eines Knochenspans oder von der Industrie gefertigter spezieller Implantate in den sogenannten Sinus tarsi. – Dies ist ein Gelenksbereich im Rückfuß zwischen Sprungbein und Fersenbein. Diese Operation hat bei schweren jugendlichen Knicksenkfußfällen ein gutes Korrekturpotential und ist meist vollkommen ausreichend zur Gewinnung eins gutes Längsgewölbes mit Stabilität. Weiterführende Operationen, die auch teilweise recht große Eingriffe umfassen, sind nur in ganz seltenen Fällen notwendig.
Diese größeren Operationen sind beim erwachsenen Knicksenkfuß, bei dem auch schon Veränderungen im Gelenksbereich der Fußwurzel zu sehen sind, meist häufiger und umfassen Korrekturosteotomien (Knochendurchtrennung) und auch Arthrodesen, also Versteifungen in Teilbereichen der Fußwurzel.

Zusammenfassung

Der Knicksenkfuß des Kindes oder des Jugendlichen ist ein häufiges orthopädisches Leiden, welches jedoch gut korrigierbar und therapierbar ist. Es ist aber auch die Erkrankung, bei der die meiste Mitarbeit vom Patienten und auch von den Eltern vonnöten ist, da hier ein sehr gutes Korrekturpotential durch einfache spielerische Fußgymnastik und sportliche Betätigung zu erreichen ist!


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