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04.08.2015

Tennis- und Golfer-Ellbogen – Epicondylitis

Behandlung der Epicondylitis radialis und ulnaris

Was versteht man unter Tennis- und Golfer-Ellbogen?

Dabei handelt es sich um ein Schmerzsyndrom im Bereich des Ellbogens, das durch entzündliche, schmerzhafte Veränderungen im Ansatzbereich der Streck- und Beugemuskulatur des Unterarms ausgelöst wird. Die Ursachen sind mannigfaltig, liegen jedoch vor allem in einer Überbeanspruchung mit Degenerationen (Abnützungserscheinungen) im Ansatzbereich der Muskulatur. Nicht selten kommt es auch zur Bildung von sogenanntem Granulationsgewebe (zerstörtes Sehnengewebe).

Von dieser Erkrankung sind nicht nur Tennis- und Golfspieler betroffen. Viele Menschen leiden unter diesem komplexen Schmerzsyndrom – vor allem jene, die intensive manuelle Tätigkeiten ausführen.

Wie äußert sich die Epicondylitis radialis und humeri klinisch?

Die Patienten beklagen Schmerzen – vor allem beim Heben und Tragen von Gegenständen, oft auch schon bei simplen manuellen Tätigkeiten wie Händeschütteln und dem Umdrehen des Schlüssels im Schloss.
Bei der klinischen Untersuchung durch den Arzt zeigt sich unter anderem ein ausgeprägter Druckschmerz im Bereich der Muskelansätze am Ellbogen. Beim Tennis-Ellbogen – der sogenannten Epicondylitis radialis – zeigen sich Schmerzen am äußeren Epicondyl (Ellbogenhöcker). Der Patient reagiert vor allem bei Handgelenkstreckung und bei Strecken des Mittelfingers gegen Widerstand mit einer ausgeprägten Schmerzsymptomatik. Anders beim Golfer-Ellbogen – der sogenannten Epicondylitis ulnaris: Hier zeigen sich Schmerzen im Bereich des inneren Epicondyls – vor allem bei Handgelenksbeugung und Beugung im Mittelhandbereich.

Wie diagnostiziere ich eine Epikondylitis

Neben der klinischen Untersuchung sollten immer Röntgenaufnahmen des Ellbogens auf zwei Ebenen durchgeführt werden. Hierbei kann der Arzt eventuelle Verkalkungen im Ansatzbereich der entzündeten Muskulatur erkennen. Eine Magnetresonanz-Untersuchung ist selten erforderlich, kann aber genaueren Aufschluss über den Grad der Schädigung, vor allem auch im Inneren des Ellbogengelenkes, geben.

Wie behandle ich eine Epicondylitis?

Der erste Schritt sollte ein klassischer Therapieversuch sein, wobei der Patient darüber aufgeklärt werden muss, dass die Therapie längere Zeit in Anspruch nehmen kann.
Die ersten Behandlungen sollten eine physikalische und eine lokale, medikamentöse Therapie umfassen. Als physikalische Maßnahmen dienen hier vor allem Kälte- oder Wärmebehandlungen (je nach Linderung); weiters Bädertherapie, Ultraschallbehandlungen bis zur sogenannten extrakorporalen Stoßwellentherapie, einer Therapie mit hochfrequenten Ultraschallwellen.
Medikamentös können lokale Salbenverbände mit schmerzlinderndem Inhalt verwendet werden – bis zu Infiltrationen des Sehnenansatzes im Ellbogenbereich mit einem Gemisch aus Lokalanästhetika und Cortison.
Weiters können auch orthopädie-technische Maßnahmen hilfreich sein – z.B. eine prophylaktische Epicondylitisspange bis zu ruhigstellenden Ellbogenschienen. Durch die Epicondylitisspange soll eine Änderung der Zugrichtung der Sehne im Ansatzbereich und damit eine Entlastung erreicht werden.
Natürlich hilfreich sind auch ausgiebige Dehnungsübungen und manuelle Therapie durch einen erfahrenen Manual-Therapeuten. Unabdingbar für eine erfolgreiche Therapie ist natürlich das Weglassen der auslösenden Ursache, das heißt der betreffenden sportlichen oder manuellen Tätigkeit.

Operative Therapie

Falls die klassische Therapie zu keiner Linderung der Beschwerden führt, stehen verschiedene Operationstechniken zur Auswahl, wobei jedoch auch hier zu erwähnen ist, dass zusätzlich eine ausgiebige physikalische Therapie unter aktiver Teilnahme des Patienten vonnöten ist. Die drei häufigsten Operationsmethoden sind die Operation nach Hohmann, die Operation nach Wilhelm und die Operation nach Nirschl.
Bei der Operation nach Hohmann wird der Sehnenansatzbereich der Handgelenksstreck- oder Beugemuskulatur – je nach vorhandener Epicondylitis – operativ abgelöst. Es wird hiermit eine Narbe in entsprechender Verlängerung der Muskelansätze geschaffen, sodass dadurch eine Reizung in diesem Bereich unterbunden wird.
Bei der Operation nach Wilhelm wird neben der Ablösung der Muskelansätze auch eine sogenannte Denervierung (Durchtrennung) von Ästen des Nervus radialis durchgeführt. Diese Äste sorgen zusätzlich für schmerzhafte Empfindungen im Ellbogenbereich und können bei dieser Operation ausgeschaltet werden. Diese Operation kann bei einer Epicondylitis radialis (Tennisellbogen) durchgeführt werden, vor allem dann, wenn die Schmerzausstrahlung bis in den unteren Oberarmbereich reicht.
Bei der Operation nach Nirschl erfolgt ebenfalls eine Ablösung der Muskelansätze, jedoch noch zusätzlich das mehrfache Anbohren des darunterliegenden Epicondylknochens. Diese Bohrung bewirkt ein geringes Einbluten in den Operationsbereich und die Ansammlung von Stammzellen, die eine schnellere Regeneration in diesem Bereich bewirken sollen.
Als eine weitere moderne Maßnahme hat sich das arthroskopische Debridement gezeigt, wo per Schlüssellochchirurgie der betroffene Bereich sozusagen gesäubert und geglättet wird.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Behandlung des Tennis- und Golfer-Ellbogens meist eine langwierige Therapie ist – jedoch mit sehr guten Erfolgsaussichten. Die entsprechende Krankheitseinsicht bzw. Mitarbeit der Patienten müssen dabei verlangt werden, die aber nicht zuletzt aufgrund ihrer eingeschränkten Lebensqualität in den meisten Fällen ohnehin gegeben sind.


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