Habituelle Schultergelenksluxation

Was ist eine habituelle Schultergelenksluxation?

Darunter versteht man eine anlagebedingte (habituelle) Ausrenkung (Luxation) des Schultergelenks. Sie wird je nach Richtung der Instabilität unterteilt in vordere und hintere oder in mehr als eine Richtung gehende (multidirektionale) Instabilität.
Die Ursachen für eine Instabilität des Schultergelenkes sind oft angeboren und liegen zumeist an einer zu flachen oder zu kleinen Gelenkspfanne, fehlpositionierten Pfannenformen oder einer zu großen Gelenkskapsel. Angeborene Bindegewebsschwächen sowie Knochen- und Bänderfehlbildungen können ebenfalls zu einer Ausrenkung des Schultergelenks beitragen.

Bei einer vorderen Instabilität kommt es zu einem Herausspringen der Schulter bei sportlichen Tätigkeiten mit Überkopfbewegungen - einem sogenannten „Dead-Arm-Syndrom“, einem kraftlosen Herabfallen des Armes und Bewegungseinschränkung für einige Minuten nach der Überkopfbewegung.
Ein hintere Instabilität ist sehr selten und betrifft meist Veränderungen und Verletzungen des hinteren Gelenkspfannenrandes.
Die in mehr als eine Richtung gehende (multidirektionale) Instabilität betreffen meistens beide Schultern und vor allem Kinder und Jugendliche mit Bindegewebsschwäche. Meist zeigen sich auch Hypermobilitäten anderer Gelenke.

Wie erfolgt die Diagnose?

Zuerst werden Röntgenaufnahmen in entsprechender Position gemacht. Weitere diagnostische Maßnahmen sind Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und die Magnetresonanztomographie (MRT), eventuell auch mit Kontrastmittel.

Was wir empfehlen:

Bei der vorderen Instabilität werden zuerst vor allem Muskelkräftigungen, aktive und passive Heilgymnastik sowie das Vermeiden von Auslösebewegungen empfohlen. Sind diese konservativen Therapiemaßnahmen nicht ausreichend, sollte gerade bei sportlich sehr aktiven Personen eine Operation in Betracht gezogen werden. Es stehen verschiedene Stabilisierungsverfahren zur Verfügung, die sowohl den Kapselbandapparat als auch die knöchernen Strukturen der Schulter betreffen.
Nach der Operation sind intensive Physiotherapie und Muskelaufbau in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten notwendig.

Bei einer hinteren Instabilität wird hauptsächlich konservativ therapiert und nur in Ausnahmefällen operiert.

Bei der multidirektionalen Instabilität erhalten Betroffene zunächst eine intensive Krankengymnastik zur Muskelstabilisierung des Schultergelenks. Eine operative Therapie (Operation nach Neer) sollte erst bei ausbleibendem Erfolg dieser konservativen Maßnahmen und starken chronischen Schmerzen durchgeführt werden. Hierbei wird die vordere und hintere Gelenkskapsel gerafft und auch zusätzlich eine Muskelverlagerung durchgeführt. Eventuell ist auch eine knöcherne Aufbauoperation der Gelenkspfanne notwendig. Nach der Operation ist auch in diesem Fall eine intensive Physiotherapie unabdingbar.